Die erste Frage meiner Bergkameraden nach unserem Distelsee-Abenteuer war, was ich darüber wohl auf unserer Website berichten würde. Ich bin mir sicher, dass sie schon sehr gespannt darauf warten. Da unsere Berichte immer streng faktenbasiert sind, eines vorweg: Fische haben wir keine gefangen! Ich hatte zwar fünf Cristivomer kurz am Haken, sie dann aber im Drill alle verloren. Vermutlich deshalb, weil ich so kleine Fische nicht gewohnt bin, oder noch wahrscheinlicher, weil meine Konzentration vom strengen Aufstieg zugegebenermassen massiv beeinträchtigt war. Doch kehren wir von den gesuchten Ausreden wieder zu den Facts zurück.
Fischen kann auch schön sein, ohne Fische zu fangen. Dies zeigte sich am heutigen Tag wieder einmal eindrücklich. Der strenge, zweieinhalbstündige Aufstieg wurde mit herrlichen Bildern belohnt. Das wilde Lengtal zeigte sich von seiner schönsten Seite. Die Luft war klar und warm und roch nach Thymian und Alpenblumen. In den kleinen Hochmoortümpeln spiegelten sich die umliegenden Berge. Als wir die letzte Krete überschritten, tauchte der smaragdgrüne See wie ein Schiebebild allmählich am Horizont auf. Was für ein wunderschöner, verheissungsvoller Anblick!
Selbstverständlich fingen wir sofort an zu fischen. Wir versuchten alles, konnten aber keine Fische fangen. Ob die kälteliebenden Saiblinge die kühle Tiefe aufgesucht hatten? Bald wich der Duft der Alpenkräuter dem feinen Duft unserer Gemüsesuppe. Benedict hatte alle Zutaten hochgetragen und war schon fleissig am Kochen. Der feine Duft lockte nicht nur uns Fischer an, sondern auch die Winterschwimmer aus der Zentralschweiz (www.winterschwimmer.ch), die zuvor den See durchschwommen hatten. Vierzehn Grad hätten sie gemessen – eigentlich viel zu warm für ihre Verhältnisse. Dennoch genossen sie es, mit uns die wunderbare, warme Suppe zu teilen.
Gegen 16 Uhr entschlossen wir uns, den Abstieg unter die müden Beine zu nehmen. Auch wenn die Cristivomer uns diesmal ausgelacht haben, nahmen wir mehr mit nach Hause als nur leere Kescher: einen Tag voller Natur, Kameradschaft und einem Erlebnis, von dem wir garantiert noch oft erzählen werden.
Text: Stefan Wenger
Fotos: Stefan Wenger
















































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